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Sinnliche Gedankenflüge

Gedichte, Geschichten, Gedanken über die schönste Nebensächlichkeit der anderen Art

Allein in der Nacht

Manchmal in der Nacht,
wenn das Dunkel mich einhüllt,
mich einschließt und von allem trennt, was ist,
gehen meine Gedanken auf die Reise
auf Wegen, die noch kein Fuß betreten.
So begegne ich Fragen,
die noch ohne Antworten sind:

Wer bin ich?
Was macht mich zu dem, was ich bin?
Warum bin ich so?
Welchen Zauber webst Du,
dass Du mich in Deinen Bann ziehst?
Gibt es Seelenberührer?
Bist du einer?
Woraus schöpfe ich die Kraft,
meinen Weg zu gehen
trotz erfahrenen Leids und Schmerzes?
Den Weg zu dir, mit Dir.
Ein Weg der Wandlung ohne Wiederkehr.
Wie stark ist das Band zwischen uns,
ein unsichtbares Band
noch stärker als Kette und Seil,
das mich Abschied nehmen lässt
von allem was war,
von einem Leben
geordnet und bequem,
doch in dem ich keinen Sinn finde,
mich nicht mehr finde,
damit ich mich geben kann,
Dir geben voller Vertrauen
auf die Macht unseres wahren Seins.

Dann höre ich wieder Deine Worte,
die mir sagen, dass ich bin,
dass mein Leben einen Sinn hat,
dass Du dieses Leben willst,
mich willst.
So erwacht ein Gefühl,
das mir Wärme spendet
und Geborgenheit,
mich die einsame Dunkelheit
der Nacht vergessen lässt
und mir zeigt:

Ich bin stark.
Ich gehöre,
habe meinen Platz gefunden
und mein Leben hat Sinn.
Ich bin nicht allein.

So schlafe ich ein
und nehme uns mit
in die Welt meiner Träume.

Reife – Zeit

Da ist es wieder – dieses Gefühl des Ankommens, nicht mehr so wild, so ungestüm, so unglaublich schnell, wie ich es von früher kannte. Nein, es begann mit stillem Beobachten und dem Aufeinanderzugehen über das Wort und über die Geduld und dem Wissen, dass wachsen wird, was wachsen soll, wenn man Entwicklungen nur die Zeit gibt, die sie brauchen. Und nicht zuletzt waren und sind da all die Verletzungen, Verluste und Ängste, durch die man selbst durch das Leben geprägt wurde und die es auf beiden Seiten zu finden gibt. In meinem Alter gestehe ich mir die Zeit zu auswählen zu können und kritisch infrage zu stellen, wenn ein Mann meinen Ansprüchen nicht genügt. Ich habe verstanden und gelernt, dass jeder Kompromiss bedeutet, dass ich einen Teil meines Wesens verleugne. Das Umgehen mit all den im Laufe des Lebens gesammelten Erfahrungen lässt mich wacher werden. Das ist durchaus ein gutes Gefühl, hilft es mir doch auch beim Erkennen desjenigen, der meinem Wesen Ergänzung bietet und durch Natürlichkeit und Authentizität überzeugt. Ich bin es leid, überhaupt für Spielereien in Betracht gezogen zu werden, als Erfüllungsgehilfin zu dienen vor allem für gefrustete Ehemänner, die in ihrer Ehe nicht das finden, wonach sie sich sehnen und so sich eine devote Gespielin suchen, die mit Heimlichkeiten leben muss und dem Wissen, dass sie nicht exklusiv ist, grundsätzlich an zweiter Stelle rangiert und am Ende immer die Verliererin sein wird. So benutzt zu werden empfinde ich als billig. Als Frau, die ihrem Sosein in einer festen Beziehung mit Zukunft ein Zuhause geben möchte, habe ich durchaus das Recht auszuwählen und mein Gegenüber an mir selbst zu messen – zuerst auf der zwischenmenschlichen Ebene als Freund und Partner  und später dann auch als dominanter Part, der meiner devoten Seele gerecht wird und deren Hingabe einfordert.

Mir ist in den diversen Communitys aufgefallen, dass es so unendlich viele Menschen gibt, die Formel 1-Befriedigungen ihrer sexuellen Bedürftigkeiten erstreben. Alles muss schnell und sofort passieren und natürlich das Komplettprogramm abgespult werden. Und dann ist die Verwunderung groß, wenn diese Kontakte schneller zerbrechen, als sie begonnen haben, einfach weil dann die Luft raus ist, der Blick sich klärt und man feststellt, dass das Gegenüber ja gar nicht dem eigenen menschlichen Anspruch genügt. Oberflächlichkeiten können einfach nicht zu wahrer Tiefe führen. Dabei bietet gerade Liebe im BDSM-Kontext die Option der absoluten Tiefe durch Hingabe aneinander in einer Stärke, die nur die wenigsten wirklich erfahren dürfen. Zeit ist das Schlüsselwort. Achtsamkeit, Geduld, Beobachten und vor allem Kommunikation, der ständige Dialog egal um welches Thema es gehen mag – es ist das Ausgerichtetsein auf den anderen, das den inneren Blick lenkt und Ablenkungen der oberflächlichen Art nicht zulässt. Dann gibt es nur noch diesen einen Mann, der sich ganz dominant im Herzen niedergelassen hat und die Schmetterlinge im Bauch wieder fliegen lässt.

Lichtengel

©SelinaB_Lichtengel_27122015

Jeder Mensch, der in mein Leben tritt, macht mich ein Stückchen weit zu derjenigen, die ich heute bin. Merke ich jedoch, dass mir ein Mensch nicht mehr gut tut, sei es, dass er nur seine ganz eigenen egomanen Ziele verfolgt, sei es durch seine Unachtsamkeit, sei es dem Umstand geschuldet, dass er mich lediglich ausnutzt und für seine Zwecke missbraucht, ist es Zeit für die Trennung. Wiederum andere verlassen einen ungewollt, weil deren Lebenszeit abgelaufen ist. Deren Verlust ist schmerzhaft und bitter und hinterlässt eine abgrundtiefe Leere, die sich nur ganz langsam wieder mit Leben, mit Liebe füllt, bis da wenn auch eine von Trauer geprägte Dankbarkeit bleibt, diesen Menschen in seinem Leben willkommen geheißen zu haben und einen Teil des Lebens mit ihm gemeinsam gegangen zu sein. Tiefe Emotionen, ob nun Trauer oder Liebe, brauchen Zeit, mitunter viel Zeit. In dieser Zeit des Wachsens begreift man umso mehr, dass nichts selbstverständlich und jeder Moment ein Geschenk ist, das man nur annehmen muss und als solches erkennen. Und so wende auch ich mich wie auf meiner Grafik mein dunkler Engel der Kerze wieder dem Licht zu, diesem kleinen Hoffnungslicht und dem Glauben, dass ich wieder Menschen, vielleicht sogar diesem einen ganz besonderen Mann  begegnen werde, mit dem ich meine Lebensfreude, meine Liebe, meine Hingabe teilen darf.

In diesem Sinne wünsche ich all meinen treuen Lesern und Leserinnen ein wunderbares neues Jahr, welches geprägt sein möge von Ankunft, von Liebe, von Lebensfreude, von Sinn und Sinnlichkeit.

Herzlichst Eure Selina B.

Gedanken zum Jahreswechsel

Sie ist tief in mir, diese Sehnsucht nach Führung und Konsequenz, nach Fesseln, die mich innerlich befreien, Geborgenheit und Liebe, gegenseitiger Achtung, nach Respekt und Vertrauen. Ich wünsche mir soviel mehr als nur eben mal eine Nacht zu zweit, möchte mich meinem Verlangen hingeben, mich unterwerfen, mich ergeben, dir dienen dürfen. Ich sehne mich danach, wahrhaft vertrauen zu dürfen und dein Vertrauen annehmen zu können.

Ja, ich bin devot, empfinde und finde Lust und Erfüllung, wenn ich mich ausliefere, mich deiner Macht beuge, mich hingebe. Ich biete dir damit so viel:

meine Liebe, meine Leidenschaft, meinen Respekt, mein Sosein.

Es ist so viel mehr als ein Spiel. Es ist eine Facette meines Ichs, meiner Persönlichkeit, immer abrufbar – weil ich nicht spiele.

Dein Wesen findet Nahrung durch das meinige. Und nur durch den anderen kann jeder von uns vollständig sein.

Weil ich keine Spielerin bin …

…. möchte ich den Menschen, den Mann, den Dom in seiner Gesamtheit erkennen, möchte ihn sehen in seinem Wesen und Sein und ihn nicht reduzieren auf seine Dominanz und damit degradieren zu meinem Lusterfüller.

Weil ich keine Spielerin bin, lasse ich mir Zeit, um zu beobachten, nicht nur IHN, sondern auch mich, um auszuloten, ob wir einander ergänzen und Erfüllung bringen können auf allen Ebenen des Zusammenseins.

Weil ich keine Spielerin bin, gebe ich uns Zeit, damit angestoßene Entwicklungen nicht im Nirgendwo enden, sondern uns einander immer näher bringen, weil es UNSERE GEMEINSAMEN Entwicklungen sind.

Weil ich keine Spielerin bin, vertraue ich auf die Macht der Gefühle, nicht nur auf die, die dem Moment geschuldet sind, sondern diesen großen, starken Gefühlen, die mich bis in die Tiefen meiner Seele erreichen und durch die ich zulassen kann, was im kurzweiligen Spiel niemals möglich wäre.

Weil ich keine Spielerin bin, habe ich es nicht nötig, auf mehreren Hochzeiten zu tanzen, sondern habe die Stärke und den Willen, mich zu dem EINEN zu bekennen, dem es gelingt, dass sich meine Seele vor ihm in Demut verbeugt, weil er meine Hochachtung erworben hat – als Mensch, als Freund, als Partner, als Herr.

Weil ich keine Spielerin bin, muss ich niemals auf die Uhr schauen, denn im gemeinsamen Tun, im erotischen Miteinander ginge sonst so vieles an Fühlen verloren, wäre die Geborgenheit, die man im anderen findet, niemals so raumgreifend, wie es in einer auf Vertrauen bauenden Beziehung der Fall ist.

Weil ich keine Spielerin bin, kann ich uneingeschränkt ehrlich sein, weil ich weiß und darauf vertraue, dass auch mir diese Ehrlichkeit entgegengebracht wird. Nur dadurch entsteht für mich Wahrhaftigkeit innerhalb der Beziehung und ich kann darauf vertrauen, dass ich ernstgenommen und wertgeschätzt werde, egal, ob es um Gut- oder Schlechtgedanken geht. Nur so bleibt der Dialog in seiner Gesamtheit erhalten und zu dem mit Worten gesellt sich der Dialog der Blicke, der Gesten, der Körper, der Seelen.

Weil ich keine Spielerin bin, bin ich in der Lage, mich vollkommen einzulassen und IHM meine absolute Hingabe zu schenken, weil ich mir sicher bin, so wie ich mich hingebe, wird auch er sich an mich hingeben und nicht nur dem Moment.

Weil ich keine Spielerin bin, kann ich IHM gegenüber ganz offen sein, wissend zwar, dass ich dadurch sehr verletzbar bin. Wissend aber auch, dass ich vertrauen kann und bei IHM in guten Händen bin, so wie auch ich mich seines Vertrauens würdig erweisen werde, weil ich weiß, dass auch er verletzbar ist.

Weil ich keine Spielerin bin, vertraue ich darauf, dass ER, wenn er sich auf mich einlässt und zulässt, was sich zwischen uns entwickelt, ebenfalls kein Spieler ist, dass er sich nicht an die Oberflächlichkeit verliert, die derzeit für viele so bezeichnend ist und die sich nicht an den guten, großen Werten des Miteinanders orientieren, sondern nur am kurzweiligen Lustgewinn und dem Benutzen des anderen, um egomane Ziele zu verfolgen.

Weil ich keine Spielerin bin, kann ich lieben und Liebe empfangen.

 

© Selina B.

„Bärenmädchen: Das Ponygirl namens Glöckchen“ von Luca Berlin

So nach und nach werde ich hier in meinem Blog lesenswerte Bücher vorstellen, die mehr zeigen, als die geschönte heile Welt, die man in diversen Büchern findet. Bücher, die zeigen, wie diese Welt wirklich ist, welche Beziehungstiefe sich entwickeln kann und auch, welche Gefahren lauern und worauf man achten sollte, wenn man eintaucht in die Welt von Macht und Unterwerfung, von Lust und Schmerz. Inzwischen ist der Buchmarkt recht offen geworden und die Bücher sind schon lange nicht mehr in der Schmuddelecke zu finden.

Das erste Buch, welches ich dem geneigten Leser, der geneigten Leserin ans Herz legen möchte, ist das Buch Bärenmädchen: Das Ponygirl namens Glöckchen“ von Luca Berlin.

Luca Berlin gelingt es in einem flüssigen und spannenden Schreibstil durch die bizarre Handlung zu führen, nimmt den Leser sprachlich gewandt an die Hand, um ihn in eine Welt zu entführen, in der Lust und Leid, Erfüllung und Verlangen, Hingabe aber auch Aufgabe ganz nah beieinander liegen. Da ist nichts geschönt oder klischeehaft verklärt. In diesem Roman wird gezeigt, dass gelebter BDSM immer eine Gratwanderung ist und Abhängigkeiten entstehen können, die bis hin zur Selbstaufgabe führen. Es wird gezeigt, welch hohes Maß an Verantwortung der dominante Part übernimmt, dass es eben nicht nur um ein bisschen Haue und Megaorgasmen geht. Nicht nur der Körper kann verletzt werden. Schäden in der Psyche sind unsichtbar und heilen nicht so schnell. Es zeigt aber auch, dass der devote Part unbedingt auf sich achten muss und nicht alles, was der vielleicht auf einem Sockel stehende Herr und Meister predigt, unhinterfragt zu befolgen hat, er jederzeit das Recht hat, die Notbremse zu ziehen. Mit diesem Roman öffnet sich eine Welt weit weg von der Cinderellawelt aus 50 Shades of Grey. Ich kann dieses Buch absolut empfehlen, denn es zeigt, das Eintauchen in das Zusammenspiel von Macht und Unterwerfung ist kein Spiel, sondern birgt Gefahren, denen sich viele einfach nicht bewusst sind.

Meine Einschätzung: Absolut lesenswert, wenn man mehr sucht als ausschließlich erotische Darstellungen.

© Selina B.

Welche Attribute sind dir bei einer Person, mit der du SM auslebst, besonders wichtig? …

… Diese Frage versuchte ich in einer Community möglichst prägnant zu beantworten:

Mensch sein, das in erster Instanz. SM ist nur eine einzige Facette einer Persönlichkeit. Und wer als Mensch nicht authentisch ist, nicht glaubwürdig, dem kann und werde ich mich auch im Rahmen des BDSM-Kontextes nicht in die Hände geben. Vertrauensbildung fängt bereits beim ersten Kontakt an. Wahrhaftigkeit enthält Wahrheit, Ehrlichkeit, Unverstelltsein, das Vermögen, sich nicht in virtuellen Scheinwelten zu beweihräuchern, sondern sich der Realität zu stellen und damit Schritt für Schritt sich dem anderen anzunähern.

Auch das ist mir wichtig: Nicht mit der berühmten Tür ins berüchtigte Haus zu fallen, sondern ein Gespür füreinander zu entwickeln, wann der richtige Zeitpunkt ist, gemeinsam einen nächsten Schritt zu gehen. Entwicklungen brauchen Zeit, auch Gefühle brauchen Zeit und die sollte man einander geben.

Und ein wichtiger dritter Aspekt ist für mich das Kommunikationsvermögen. Die Fähigkeit, ständig einen ehrlichen Dialog zu führen – verbal, aber auch nonverbal. Nur so kann man beieinander bleiben, wird lesbar und kann den Partner lesen.

Interview mit Eva B.

Noch heute schaue ich hin und wieder gern in die Bücher von Eva B., der Autorin von „Mit dem Schmerz gehör ich dir – Bekenntnisse einer Masochistin“ und dem Folgebuch „Ich trage Striemen, wie andere Frauen ihren Ehering“. Und noch immer bin ich fasziniert, wie sehr die Denkart der Autorin und ein Teil ihrer Erfahrenswelt der meinen ähnelt. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass ich vor allem das erste ihrer Bücher schon mehrfach gelesen habe. Heute nun entdeckte ich auf der Seite der Frauenzeitschrift Brigitte ein Interview mit Eva B., in dem sie Rede und Antwort steht, ohne dass aktuelle Literatureinflüsse oder Verunglimpfung als Perversität ins Spiel kämen. Sie beschreibt wunderbar, wie es sein kann …..

>>> zum Interview

Dein Blick

Dein Blick fängt den meinen ein,
hält mich fest,
lässt alles um mich im Nichts versinken.
Dein Blick taucht in mich ein,
öffnet mich für Dich,
legt Fesseln um meine Seele,
damit sie frei sein kann.
Unsere Blicke
eintauchend
versinkend
bannend
und mich bezwingend
im Wechselspiel von Macht und Unterwerfung.
Dein Blick,
Deine Macht,
vor der ich meinen Kopf neige
in tief empfundener Demut.

© Selina B.

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